New Work: Wie die Arbeitswelt von morgen organisiert ist

Stempeluhren, 9 to 5 Jobs und durchorganisierte Hierarchien, bei denen die Arbeitnehmer selten das letzte Wort haben - Diese Vorstellung von Arbeit dürften viele noch kennen, auch wenn sie schon in ihrem eigenen Arbeitsumfeld mit Laptops, kuscheligen Sesseln in kreativem Ambiente und Moccacino-Flatrates in Berührung gekommen sind.

New Work, die neue Arbeit - Was ist das? New Work klingt wie die Stadt, die niemals schläft. Oder wie eine Arbeitsmarktinitiative der Bundesregierung - formuliert in neumodernem Sprech. Dahinter verbirgt sich aber mehr als eine Anspielung auf die Stadt am Hudson River oder einen Vorstoß ins digitale Neuland. New Work ist längst ein absoluter Zukunftstrend geworden, aus dem die Initiative Arbeit 4.0 entstanden ist.

New Work Konzept: Ein kurzer Blick hinter die Kulissen

Die Art und Weise, wie Arbeit heutzutage organisiert ist, hat ihre Wurzeln in der Industrialisierung. Unsere Gesellschaft befindet sich aber in einem bedeutenden Wandel hin zu einer globalen Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft. Vor dem Hintergrund von Digitalisierung und Globalisierung und dem damit verbundenen Wertewandel müssen sich auch unsere Arbeitsmodelle und ihre Rahmenbedingungen grundlegend ändern. Das meint zumindest der Initiator der New Work Bewegung, der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann.

Er setzt der Vorstellung, dass wir genauso weiterarbeiten können wie zu Zeiten der Industrialisierung, einige gute Argumente entgegen und prägte dadurch den Begriff New Work. Sein New-Work-Konzept ist eine Antwort auf die Frage, wie unsere Arbeitswelt in der Zukunft organisiert sein sollte, damit sie mit den tiefgreifenden gesellschaftlichen Entwicklungen Schritt halten oder diese aktiv gestalten kann.

Was bedeutet denn jetzt New Work?

Um Bergmanns Konzept zu erklären, muss man zunächst anmerken, dass es in der Auseinandersetzung mit dem bestehenden System des Kapitalismus der Achtziger Jahre in den USA entstanden ist. Die damalige Antwort auf soziale und strukturelle Probleme in diesem System war stets "Mehr Wachstum, mehr Wohlstand" - mitunter wird diese kaum nachhaltige und teils wenig gerechte Antwort auch heute noch gegeben.

Die Systeme der Marktwirtschaft können aber nicht ewig wachsen, jeder Markt ist irgendwann gesättigt und die Erwerbstätigkeit, so wie sie organisiert ist, befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch, der viel mit technologischen Entwicklungen und der Endlichkeit unserer Ressourcen zu tun hat. Und demnach auch wieder brandaktuell ist: Digitalisierung und Klimawandel lassen grüßen.

Auf lange Sicht kann es kein "Weiter so" geben, die Gesellschaft muss sich verändern und wir mit ihr. Bergmann sagt deshalb: "Eine Hälfte der neuen Arbeit besteht in der Transformation von der industriellen zur gemeinschaftlichen Produktion auf kleinerem Raum." Damit meint er zum Beispiel Start-ups, die ohne über große unternehmerische Strukturen zu verfügen, in ihren Work-Spaces aka. kreative Industrie-Lofts die nächste große Idee entwickeln können. Stichwort Disruption: Gute Ideen können ganze Märkte umkrempeln und die Regeln des Wirtschaftens grundlegend verändern. So wie Apple, Google, Amazon, Facebook oder AirBnB und Uber es in den letzten beiden Jahrzehnten getan haben, um nur einige zu nennen.

Diese Veränderungen führen zwangsläufig zu der Frage: "Was willst du in Zukunft in deinem Arbeitsleben machen, wenn sich die Gesellschaft, in der du lebst, so stark verändert?" Die Antwort darauf muss unter den gegeben Bedingungen einer sich verändernden Gesellschaft Sinn ergeben und für jeden einzelnen Menschen in seinem Erwerbsleben Sinn stiften. Weg von der Stempeluhr, hin zu einem offenen Arbeitsumfeld, in dem man selbstständig in Eigenverantwortung und vor allem gerne arbeitet. Nur so können Freiheit und Erwerbsleben in Einklang gebracht werden, denn Freiheit ist nicht einfach die Wahl zwischen zwei Alternativen - zu arbeiten oder nicht zu arbeiten -, sie ist vielmehr echte Handlungsfreiheit, die auch für die inhaltliche Ausgestaltung der eigenen Erwerbstätigkeit gelten sollte.

Fünf Merkmale von New Work - damit der Wandel der Arbeitswelt gelingt

Ausgehend von seiner Kritik an veralteten Arbeitsmodellen formulierte Bergmann fünf Merkmale, die dem Konzept New Work noch mehr Leben einhauchen und es in einem sehr positiven Licht erscheinen lassen. Denn wer kritisiert, muss auch Alternativ- und Lösungsvorschläge machen.

  • Partizipation, Teilhabe und Mitbestimmung spielen eine große Rolle bei der Gestaltung der neuen Arbeit. Mitarbeiter sollten an allen Prozessen beteiligt werden, wenn sie sich einbringen wollen. Also: Bottom up statt Top-down, die Veränderung kommt idealerweise von den Mitarbeitern. Flache Hierarchien begünstigen das.
  • Führungskulturen und -stile verändern sich. Führungskräfte erarbeiten gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Lösungen für die Herausforderungen von morgen und beziehen sie in strategische und strukturelle Fragen mit ein. Dafür muss die Führungsetage aber auch gewillt sein, sich selbst zum Wohl des gesamten Unternehmens zu verändern. Management-Methoden mit Ellenbogen-Mentalität sind hier nicht zielführend. Besser ist es, die Schwarmintelligenz der Mitarbeiter zu nutzen und ihre Kompetenzen und Potenziale miteinzubeziehen.
  • Agilität ist ein Wettbewerbsvorteil. Schnelle Entscheidungswege, flache Hierarchien und digitale Tools, etwa im Projektmanagement oder der kollaborativen Zusammenarbeit, beschleunigen Prozesse und Arbeitsweisen und machen das Unternehmen auf diese Weise weitaus agiler.
  • Flexibilität ist eine Voraussetzung für Freiheit. Mobiles Arbeiten, Gleitzeit und moderne Arbeitsmodelle wie Job-Rotation oder Job-Sharing schaffen Flexibilität. Nicht nur für Arbeitgeber, sondern insbesondere für Arbeitnehmer. Es ist nicht mehr so wichtig vor Ort zu sein oder um acht Uhr auf der Matte zu stehen, es geht vielmehr um ergebnisorientiertes Arbeiten. Wann, wo und wie entscheiden die Arbeitnehmer beim New Work Konzept.
  • Offenes Arbeitsumfeld und Arbeitskultur. Das Umfeld muss eine neue Arbeitskultur zulassen und mithilfe von Räumlichkeiten und modernen Raumkonzepten fördern. So sind Austausch und kreative Zusammenarbeit gegeben. Und vielleicht entstehen sinnstiftende soziale Beziehungen, die die Atmosphäre am Arbeitsplatz positiv beeinflussen.

Wie kann das Konzept New Work umgesetzt werden?

Alles gut und schön, aber was ist mit der praktischen Umsetzung und ist New Work nicht einfach eine schöne Utopie? Jein. Um zu sehen, wie New Work Ideen unser Arbeitsleben schon jetzt verändern, muss man nicht lange suchen. Es gibt zahlreiche Beispiele, die zeigen wie es gehen kann. Das heißt aber vor allem: Lebenslanges Lernen von Mitarbeitern und Unternehmen ist notwendig. Letztendlich bleibt New Work ein theoretisches Konzept, das durchaus als Utopie bezeichnet werden kann. Auf jeden einzelnen im Unternehmen kommt es an, die Veränderung aktiv zu gestalten. Let's go!